18 Dezember 2009

James Cameron's Avatar: Das Spiel

Premiere bei Völlig Verspielt: Sein Filmblog ist gefürchtet und berüchtigt, doch Hobbycineast Martin Schnelle hat sich für Völlig Verspielt aus dem Kinosessel erhoben und auch auf PC und Konsolen Pandora besucht. Hier ist sein Erlebnisbericht:

Revolutionär! Die Rettung des Kinos! Nichts weniger verspricht der neue Streifen von James Cameron, und revolutionär soll auch das zugehörige Spiel sein. Denn das wurde, anders als bei anderen Film-Versoftungen, parallel dazu entwickelt. Und James Cameron und Produzent Jon Landau sollen persönlich Anteil an der Entwicklung genommen haben.

Sind Regisseure die besseren Spieldesigner?

Nur: bis jetzt hat noch kein Kreativling außerhalb der Computerspielbranche was Bemerkenswertes in diesem Bereich auf die Beine gestellt. An den frühen LucasFilm-Titeln wie Rescue on Fractalus war George Lucas beteiligt, und? War das toll? Nö. Oder der Totalausfall Timeline, entstanden unter Mitwirkung von Michael Crichton bei seiner eigenen Softwarefirma. Mittlerweile im Orkus des Vergessens versunken, und zwar zu Recht.

Und bei Avatar ist es nicht besser. Ganz besonders ärgerlich finde ich, dass die eine besondere Fähigkeit von Storyschreibern hier absolut nicht zum Tragen kommt: nämlich eine ordentliche Story zu schreiben. Das Spiel ist eine Art Prequel zum Film. Zehn Jahre vor den Geschehnissen dort kommt Soldat Ryder auf Pandora an und darf gleich einen der Avatare ausprobieren. Diese Kombinationen aus menschlicher und Alien-DNA gleichen den Na’Vi, den Eingeborenen Pandoras, und sollen zur Kontaktaufnahme dienen.

Freiheitskampf oder Firmenscherge?

Doch nach nur ein paar Missionen müsst ihr euch genauso wie Marine Jake Sully zehn Jahre später im Film entscheiden: stellt ihr euch auf die Seite der Na’Vi oder kämpft ihr lieber für die RDA, die Firma, die Pandora ausbeuten möchte? Storytechnisch ist das aber auch schon egal, denn es tauchen lediglich ein paar uninteressante Pappkameraden auf, deren Namen man sich auch nicht merken muss. Außer Trudy Chacon, Hubschrauber-Pilotin, die auch im Film eine größere Rolle hat. Woraufhin man sich unwillkürlich fragt: Was macht die da eigentlich zehn Jahre lang?

Hallo Taxi! In den Leveln stehen mannigfaltige Fahr- und Flugzeuge herum. Und hier müssen wir sogar mal nicht selber fahren, sondern können uns aufs Ballern konzentrieren.

Waffen aus der Klamottenkiste

Das hat natürlich gleich Auswirkungen auf die zur Verfügung stehenden Waffen und Fahrzeuge. Das sind bei den Menschen die üblichen Pistolen, MGs, Flammenwerfer und Bomben. Außerdem dürft ihr kleine Buggies fahren oder die aus dem Film bekannten Hubschrauber Marke Skorpion fliegen. Als Na’Vi gibt es da eher Pfeil und Bogen, Messer und Schwerter. Und die reiten natürlich auf einem Flugsaurier durch die Lüfte oder einer Art Pferd am Boden. Richtig neu oder aufregend ist das alles aber nicht. Habt ihr schon hundertmal woanders so erlebt. Richtungsweisendes Design sieht anders aus.

Hakelige Steuerung und Level-Mittelmaß

Der Third-Person-Shooter offenbart gleich ein paar Steuerungsprobleme. Ihr seht das Spiel aus der Perspektive rechts über der Schulter des Helden. Das kennen wir von Gears of War, aber die Kamera ist zu weit rechts. Das geht zur Lasten der Übersichtlichkeit. Die Steuerung selber ist zu unexakt, das Spiel lotst euch viel zu häufig über Hängebrücken und ähnliches. Auf Seiten der Na’Vi klettert ihr außerdem oft hoch und runter und hüpft durch die Gegend. Da sind schwammige Bewegungsabläufe nicht wirklich förderlich. PC-Benutzer mit Maus und Tastatur haben’s da noch besser, mit Pad und auf XBox 360 oder PS3 ist es noch schlimmer. Richtig nervig wird es, wenn man mit einem Fahrzeug zwischen zwei Felsen hängen bleibt, während die Viecher um einen herum die ganze Zeit angreifen.

Hoch und runter: Das Klettern macht dank
schwammiger Steuerung aber wenig Spaß.

Ich glaub ich steh vor ner Wand

Ebenfalls nervend: immer stehen die gleichen Missionen an, etwa das Sammeln von Unobtainium-Splittern. Deswegen fliegen die Menschen überhaupt Lichtjahre weit durchs All, denn das Zeug ist unglaublich wertvoll. Leider hausen die Na’Vi direkt über einem großen Vorkommen. Und das gibt Ärger. Im Dschungel gibt es immer wen oder was abzuknallen. Ist aber kein großes Problem, denn Auffüllpunkte für Munition sind im ganzen Urwald verteilt, und dank des recht linearen Leveldesigns verirrt sich Ryder auch nie. Dazu gibt es eine Übersichtskarte. Die ist aber nur zweidimensional. Was besonders die Na’Vi-Gation (welch Witz!) stört, denn deren Level sind deutlich häufiger von Höhenunterschieden geprägt. Und welche Freude ist es, wenn man auf der Karte kurz vorm Ziel ist – und vor einer Felswand steht.

Völlig überflüssig: der Rundenstrategiepart.

Dann ist da noch ein Rundenstrategie-Spiel. Auf planetarer Ebene rückt ihr gegen die Gegner vor und bekommt so im eigentlichen Spiel ein paar Leckerlis in Form von besserer Ausrüstung. Braucht ihr aber nicht, sterben ist nämlich ganz schön schwer auf Pandora. Weswegen ihr euch diesen ganzen Spielteil sparen könnt. Den Urwald aus dem Film lässt sich halbwegs wieder erkennen, viel schlimmer sind aber die Animationen des ganzen Viechzeugs, was gerne unmotiviert von links nach rechts zuckt. Bleibt noch zu sagen, dass man auf irgendwelchen sauteuren Monitoren Avatar auch in 3D spielen kann. Und dass es auch für Wii, PSP und DS erhältlich ist, was aber ganz andere Spiele sind. Naja, Hauptsache, man kommt auf allen Plattformen raus. (Martin Schnelle)



4 Comments:

Anonymous Mr.Boykott said...

schöner Test. Ich hoffe man liest hier mehr von dir.

10:47 PM  
Anonymous FLOO7 said...

Toll, dass Martin Schnelle wieder Spiele-Tests schreibt. Das erinnert an die gute, alte Zeit. Ich wünsche mir als Gastautor Hendrik Fisch, egal was er schreibt ;) .

11:26 PM  
Anonymous Pascal Parvex said...

Gut, dass Martin Spieletests schreibt. Freue mich auf weitere Gast-Tester. Die andern Spiele sind ja übrigens vielleicht besser. Ist auf der Wii das Spiel auch ein anderes?

5:20 PM  
Blogger Mash said...

Jo, hatte mal wieder Zeit und Gelegenheit. ;) Und ja, das Wii-Spiel ist ein anderes als das auf PC, XBox und PS3. Ich habe die noch nicht gesehen, habe aber wenig Hoffnung, dass die gut sind.

7:51 PM  

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