04 Dezember 2009

Gyromancer

Gibt es eigentlich jemanden, der Puzzle Quest nicht liebt? Egal ob Kollege, Freund oder Feind, dem Flair des ulkigen Genremixes aus Bejeweled und Rollenspiel kann sich keiner entziehen. So ein typisches »Nur noch ein Kampf und dann geh ich ins Bett«-Spiel eben. Wahrscheinlich ging es der Marketingabteilung von Square-Enix ähnlich und die Herrschaften aus Nippon dachten sich »Das können wir auch. Mit Rollenspielen kennen wir uns schließlich aus und so ein Puzzlespiel kaufen wir uns eben beim Bejeweled Vertrieb PopCap einfach ein.« Tja, und dann hatte keiner der richtigen Entwickler Zeit oder Lust und alles blieb am Praktikanten hängen.

Fummel-Maus
Keine Ahnung, ob sich die Entstehungsgeschichte von Gyromancer wirklich so zugetragen hat, aber gut möglich wäre es. Denn der Puzzle Quest-Klon ist alles andere als ein Meisterwerk, es ist noch nicht mal ein richtiger Klon, denn spielerisch bietet es weniger als die Vorlage. Auf einer spartanisch hässlichen Karte, die den Namen nicht verdient, bewegt ihr ein Sprite über vorgegebene Wege, bis ihr auf Monster oder Schätze trefft. Dabei kämpft ihr permanent gegen die hakelige Steuerung, weshalb sich immer wieder mal nicht euer Heldensprite vorwärts bewegt, sondern der Infobildschirm aufpoppt. Argh, dabei drängt sich der Verdacht auf, dass hier einfach die Gamepad-Steuerng der Xbox-Version nur unzureichend auf die Maus umgesetzt wurde ohne darauf zu achten, daß so eine Maus ein ganz klein wenig sensibler auf Kommandos reagiert. Na, in Japan soll es ja nicht so viele PCs geben, vielleicht liegts ja daran…

Welche Karte ist hässlicher?: Diese, auf der die nächsten Gebiete gewählt werden…

… oder die vertrockneten Äste vor unscharfem Waberwald.

Überflüssiger Dreh
Doch zurück zum Spiel. Beim Abklappern der Karte auf mehr oder weniger fest vorgegebenen Wegen kommt es immer dann zum Kampf, wenn ihr auf ein Monster trefft. Manche sind statisch an einer festen Stelle positioniert, andere »rutschen« die Wegäste rauf und runter. Trefft ihr auf eins, schaltet Gyromancer auf Bejeweled Twist um. Wer’s noch nicht kennt: Hierbei geht es wie beim Ur-Bejeweled (und all seinen Inkarnationen davor und danach) ebenfalls darum farbige Klötzchen in Reihe zu bringen. Die verpuffen dann und es hagelt Punkte. Kettenreaktionen bringen besonders viele Zähler ein. Das Besondere an der Twist-Variante ist, daß ihr immer vier Klötzchen auf einmal im Uhrzeigersinn drehen müsst. Um einen Gegner zu schlagen, gilt es Steine einer bestimmten Farbe abzuräumen, über die dann Zaubersprüche aktiviert werden. Die verwandeln ihrerseits bestimmte Klötzchen in blinkende Symbole. Wer so eins abräumt löst den Zauber aus und reduziert dabei die Lebensenergie des gegnerischen Monsters. Doch jeder Zug erhöht auch die Zauberpunkte des Feindes, wodurch seine Sprüche irgendwann aktiviert werden. Einen selbstständig spielenden Gegner wie in Puzzle Quest gibt es nicht. Der Square-Praktikant hatte wohl keine Lust eine KI entwickeln zu müssen.

Altbekannte Kämpfe: Sieht aus wie Bejeweled Twist, spielt sich wie Bejeweled Twist und ist auch Bejeweled Twist.

Pokemon light

Vor jeder Schlacht könnt ihr euch für eins von drei Monstern entscheiden, dass an eurer statt in die Schlacht zieht. Die Ungeheuer unterscheiden sich vornehmlich durch die Farbe, über die die Zauber aktiviert werden und natürlich die Sprüche selbst. Wer fleißig die Karte abklappert, findet nach und nach weitere Biester, die man dem eigenen Bestiarium einverleiben kann. Insgesamt gibt es aber nur 19 Kreaturen, drei davon dürfen unterwegs mit dabei sein. Das reicht nicht mal für den »Sammle sie alle-Pokemon«-Trostpreis für den Versuch. Wer ein Gebiet durchforstet hat und den jeweiligen Endgegner besiegt, bekommt Zugang zu einer von insgesamt zwölf weiteren Gegenden, die zwar immer komplexer aufgebaut sind, optisch aber stets wie ein vertrockneter Ast vor waberndem Hintergrund wirken. Ach ja, ab und zu findet man auch Goodies, über die ihr die Klötzchen auch gegen den Uhrzeigersinn drehen dürft, blockierte Steine entfernt oder die eigenen Zauber sofort auslöst.

Nichts regt sich: Die Story wird in langweiligen statischen Zwischensequenzen mit den immergleichen Figuren weitererzählt.

Klappern statt Klotzen
Und macht das denn Spaß?, fragt sich der geneigte Puzzle Quest-Fan, so wie ich. Ich habe die 14 Euro bei Steam für die PC-Fassung investiert. (Die Xbox-Version kostet über Xbox Live in etwa dasselbe) und hatte in den ersten zwei Stunden trotz der drögen Grafik, hakeligen Steuerung und der lahmen Story einige Freude mit Gyromancer. Damit ist es weit davon entfernt schlecht zu sein. Doch allzuschnell verkommt das Spiel zum reinen Levelabklappern. Da man seinen Helden nicht aufwerten kann, ist er eigentlich völlig überflüssig. Die meisten der Sammelmonster unterscheiden sich auch nicht recht. Es kämpft eben immer das gerade stärkste. Und besondere Anreize, wie Spezialrüstungen, Tränke oder Waffen gibt es leider nicht. Natürlich funktioniert auch hier wieder das gute unverwüstliche Bejeweled-Konzept und rettet Gyromancer in die 70iger Wertungszone. Aber wie schon die Twist-Variante für sich gesehen eigentlich völlig überflüssig ist, so ist auch Gyromancer nicht nötig. Eigentlich ist es nicht mal ein richtiger Klon. Viel zu wenig wird geboten. Hinter dem Namen Square-Enix erwarte ich eigentlich deutlich mehr Spieltiefe fürs Geld. Ein paar Tipps nach Japan fürs nächste Mal: Nutzt doch einfach eure eigenen Final Fantasy bzw. Dragon Quest-Szenarien, um Seele in die Story zu bringen. Baut unbedingt den Rollenspiel-Teil zu etwas aus, das den Namen auch verdient. Und bitte, bitte, bitte, lasst jemanden die PC-Version machen, der sich damit auskennt. Jemanden, der eine Maus nicht mit einem Gamepad verwechselt und weiß, daß man auf dem PC auch Auflösungen jenseits der 800 mal 600 Pixel kennt. Und guckt euch Puzzle Quest noch mal ganz genau an. (Mick Schnelle)

7 Comments:

Anonymous Behemoth said...

und wieso lese ich in den Magazinen nichts von dem Spiel? Haben GS und PCG mal wieder was verpennt? Danke mick für den Test und für die Warnung. Ich hatte nämlich schon überlegt ob ich es mir kaufen soll.

11:46 AM  
Anonymous Berengar said...

Schöner Test. Das war dann ja wohl nichts für Square. Vielleicht sollten die Japaner einfach die Finger vom PC lassen, das können sie nicht.

11:37 PM  
Anonymous Anonym said...

Noch so ein Test von einem Dilettanten. Da darfst du doch gar nicht. Du hast das schließlich nicht gelernt. Man sollte dich anzeigen.

11:45 PM  
Anonymous Klaus said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

8:54 PM  
Anonymous Klaus said...

@Anonym:Erst mal Deutsch lernen.Dann kannst du hier vielleicht mitreden.

8:56 PM  
Blogger marc said...

super test! werde mir zweimal überlegen, ob ich mir das spiel zulegen soll, oder nicht.

11:48 AM  
Anonymous Anonym said...

Whau.
Habe die Demo noch ungespielt installiert. War gerade auf der Suche, ob es das Game auch "steamfrei" gibt, da ich es nicht gut finde, immer nur Spiele entsprechend der AGB von Steam zu "leihen". Ich will's schon haben. Meine Freunding zockt Puzzle Quest (das Orginal) zum Dritten, ich bin beim zweiten Durchspielen. Da dachte ich mir, Gyromancer könnte ja was neues bieten. Danke für den Test, werde die Demo im Hinblick auf die hier genannten Mängel genau beobachten und - vor allem - von einem Blindkauf großen Abstand nehmen. Gruß,Oups.

9:40 PM  

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