Batman - Arkham Asylum
Wer, wie ich, schmale Schultern hat, trägt doppelt schwer an der Bürde regelmäßig die Welt zu retten. Und da mir flattrige Umhänge und knallenge Strumpfhosen auch nicht stehen, (ich habe in den 80igern bereits eine entsprechende Unterlassungserklärung unterschrieben) bin ich froh, dass ich wenigstens am PC stilvoll das Böse im Fledermauskostüm bekämpfen kann. Das kann nämlich jede Menge Spaß machen, wie das Actionspiel »Batman – Arkham Asylum« aus dem Hause Rocksteady beweist. Und so geht es los: Kaum hat Batman den fiesen Spitzbuben Joker geschnappt und in die Irrenanstalt auf Arkham-Island gesteckt, haut der kurzerhand ab und treibt fortan sein Unwesen in dem Zuchthaus. Sofort bricht die Hölle herein und es öffnen sich sämtliche Gitterzellen in der Anstalt. Klar, dass ich mich auf die Socken mache, den Wahnsinnigen wieder einzufangen und es mit einem Sammelsurium Meinesgleichen, äh… an Bekloppten und Gestörten aufnehme.
Schaurig schräg: Der Joker und sein Gesocks treiben fortan ihr Unwesen im Zuchthaus.
Auge um Auge
Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, muss ich schnell feststellen, dass meine Fledermaus keine Schusswaffen bei sich trägt. Deshalb komme ich mir schon ein wenig nackt und hilflos vor, als die ersten Gegner auf mich zu stürmen. Doch ein zaghafter Druck auf die linke Maustaste lässt jede Ratlosigkeit verschwinden. Mit einem gezielten Faustschlag schleudere ich den ersten Gegner zu Boden, so, dass dieser Sternchen sieht. Schnell wirbel ich herum, um mit weiteren Schlägen und Tritten die heranstürmenden Schurken umzuhauen. Die rechte Maustaste im richtigen Moment gedrückt lässt meinen Helden einen eleganten Konter ausführen und den zutretenden Gegner beispielsweise am Bein packen. Noch ein kräftiger Ellenbogenhieb hinterher und auch dieser Bösewicht liegt bewusstlos am Boden. Das zugegebenermaßen simple Spielprinzip macht jede Menge Spaß, vor allem weil Batmans Kampfbewegungen schlicht atemberaubend aussehen. Mal springe ich gekonnt mit einem Salto über den Gegner, um ihn hinterrücks k.o. zu schlagen; dann zücke ich Batmans Lieblingsspielzeug den Batarang (eine Art Bumerang), um herannahende Joker-Schergen zu betäuben und niederzustrecken. Je länger mein Haudegen während eines Kampfes ohne Schaden zu nehmen durchhält, umso mehr Erfahrungspunkte gehen auf mein Konto. Damit lassen sich schicke Upgrades kaufen, wie neue Kombo-Attacken oder ein besserer Anzug, der mich in den Keilereien vor mehr Schaden bewahrt. Zudem füllen die Punkte automatisch die Gesundheit meines dunklen Ritters wieder auf.

Schlagfertig: Mit gezielten Tritten und Schlägen befördert die Fledermaus Schurken ins Land der Träume.
Schleich dich!
Wer jetzt aber meint, er könnte mit seinem Helden blindlinks in Gegnerhorden stürmen und allen kräftig den Hintern versohlen, liegt falsch. Denn einige der jokerschen Widersacher sind mit Elektroschockern oder Maschinengewehren gerüstet. Trifft unser flattriger Held auf einen davon, gilt erhöhte Vorsicht. Denn ein paar Schüsse oder Hiebe mit den Waffen reichen aus, und der fledermausige Capeträger beißt sofort ins Gras. Besser geht es mit der guten alten Sam-Fisher-Methode, die da lautet: Schleichen statt Stürmen. Beim Feindeorten, hilft mir der Detektiv-Modus. Per Tastendruck kann ich mit einem Röntgenblick durch Wände und Böden sehen und so die Kumpane des Jokers aufspüren. Um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen und dadurch gar weitere Haudegen anzulocken, schleiche ich mich entweder leise von hinten an den Feind ran oder ziehe mich per Greifhaken auf einen Wasserspeier an der Wand. Ist das Opfer in spe direkt unter mir, seilt sich mein schwarzer Rächer per Knopfdruck kopfüber ab, packt den Widersacher von oben und hängt ihn dann auf. Das sieht nicht nur unfassbar hübsch aus, es macht auch jede Menge Freude einen Widersacher nach dem Nächsten an den Vorsprüngen zappeln zu sehen. Dabei sollte man allerdings immer wieder zwischendurch die Flucht ergreifen. Die Sträflinge sind nämlich die reinsten Petzen, geben sich gegenseitig Rückendeckung und rufen um Hilfe, sobald sie einen Kameraden in Not sehen. Zudem plärrt der Joker ständig Tipps durch die Lautsprecher und verrät dabei, dass sich meine Fledermaus in der Nähe befindet. Sobald die Sträflinge merken, dass etwas nicht stimmt, werden sie nervös, laufen hektisch umher und fangen ängstlich an zu jammern. Auch schön: Ein Scherge kann schon mal in Panik ein ganzes Magazin ins Nichts verballern. Das ist nicht nur witzig, sondern lässt die KI zudem glaubwürdig erscheinen.

Totaler Durchblick: Dank der Detektiv-Sicht sieht Batman rechtzeitig Jokers Gesellen.
Ich sehe was, was du nicht siehst
So spaßig sich die Standard-Schlägereien gestalten, hätte ich mir bei den Bosskämpfen mehr Abwechslung gewünscht. Immer und immer wieder stürmen muskelbepackte Riesenschurken auf mich zu, die um sich eine Horde gewöhnlicher Schergen scharen. Schade, an dieser Stelle hätte ich mich über etwas mehr Variationen gefreut.
Abwechslung bieten hingegen die sogenannten Rätsel des Riddlers. Nomen ist eben omen. Über ganz Arkham hat der Superschurke rund 240 Fragezeichen versteckt, die ich bei einem Flug oder Rundgang über das Eiland entdecken kann. Finde ich eins der Satzzeichen, schaltet es mir unter anderem in Form von Tonbandaufzeichnungen Biografien zu diversen Charakteren frei und bietet mir dadurch einen spaßigen Einblick in die Köpfe einiger Irrer. Außerdem gehen mit jedem gefundenen Fragezeichen stattliche 200 Punkte auf mein Erfahrungspunktekonto.

Hinrschmalz gesucht: Die Riddler-Rätsel haben es teilweise in sich, bringen aber nützliche Erfahrungspunkte.
Neben den Rätseln hält der liebreizende Riddler aber auch jede Menge Denkspielchen parat. So gibt es zu beinahe jedem Raum eine Frage, die es zu beantworten gilt. Dabei bezieht sich die Aufgabe stets auf ein bestimmtes Objekt in den jeweiligen Räumlichkeiten. So lautet eine der Fragen beim Betreten des Südkorridors in der Arkham-Villa »Was braucht ein Vogel im Regen?« In einer der umherstehenden Glas-Vitrinen finde ich einen Regenschirm. Mit einem Klick schalte ich in die Detektiv-Sicht und scanne mit einem weiteren Tastendruck die nähere Umgebung und somit auch den Regenschirm. Das Rätsel ist gelöst. Hört sich leichter an als gesagt, denn nicht immer sind die Denkspiele so leicht erkennbar. Wer meint, er wechselt einfach in die Detektiv-Sicht, um alles permanent zu scannen, hat kaum eine Chance auf die Lösung zu kommen. Hier ist Kopfarbeit gefragt, um sich die wertvollen Trophäen zu ergattern, zumal ich erst meine Ausrüstung erweitern muss, um an alle Fragezeichen zu gelangen. Nur mit Hilfe der Batclaw kann ich beispielsweise den weiten Abgrund zu einer der begehrten Trophäen erlangen oder mit dem Explosionsgel die brüchige Wand zum einstürzten bringen, um das dahinterliegende Quiz zu lösen.

Grafikpracht: Dank der neuen Unreal-Engine sind Batman und seine Umgebung eine Augenweide.
Was auf die Ohren
Leider gibt es auch beim Rätselraten einen kleinen Wermutstropfen. Zwar hilft der Detektiv-Modus meinem schwarzen Maskenträger beim Lösen diverser Denksportaufgaben, beim Erkennen von Freund und Feind und bei der Spurenlese, allerdings bleibt dadurch kaum noch Gelegenheit die Grafikpracht von »Batman-Arkham Asylum« zu genießen. Der zwar nützliche, aber hässlich aussehende Röntgenblick muss viel zu oft eingesetzt werden und oft wünsche ich mir, die nächste Aufgabe mal ganz ohne diese Sichtweise angehen zu könne. Egal welcher Sichtmodus aber aktiviert ist, wenigstens bleiben die Musik und die Synchronsprecher durchweg spitze. Das mag vor allem an dem wuchtigen Soundtrack liegen; mit Sicherheit aber auch an der deutschen Synchronstimme von Christian Bale, der dem schwarzen Rächer Authentizität verleiht.
Fazit: Irrer Spaß
Gute Superhelden kann man selbst als Arbeiter im Sägewerk an einer Hand abzählen und zugegeben: Ich war nie ein großer Batman-Fan. Die TV-Serie »Batman und Robin« hat mich nicht sonderlich angemacht und auch die Filme haben keinen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Was nicht nur am reichlich blassen Bale liegt. Umso überraschter und begeisterter bin ich von dem Action-Knaller. Es macht mir einfach Riesenspaß, meinen Umhang auszubreiten und vom Dach herabzugleiten. Mit viel Schadenfreude sorge ich für Panik unter meinen Gegenspielern, und beobachte dann das hektische Treiben gemütlich von einem Wasserspeier aus. Herrlich, wie die Tölpel sich schon mal in wilden Faustkämpfen gegenseitig k.o. schlagen. Selbst den Joker, den kleinen miesen Fratzen, habe ich richtig ins Herz geschlossen. Seine genauso witzigen wie boshaften Kommentare bereiten mir jede Menge Freude. Zwar überrascht die Handlung nicht mit unerwarteten Wendungen und ein wenig mehr Abwechslung bei den Bosskämpfen hätte Batman sicher auch gefallen, aber trotzdem: Ich liebe Batman und seine Prügelknaben! Zumindest in diesem Spiel. Meister Bale kann mir aber immer noch gestohlen bleiben.(Pia Dettmer)





















